Was für ein Buch… SIEBEN – Spiel ohne Regeln von M. A. Bennett (Rezension)

Heilige Scheiße! (Tschuldigung!) Was für ein Buch!!! Klar, es klang interessant… aber never ever hätte ich sowas erwartet….

Lincoln Selkirk: Der Nerd

Flora Altounyan: Die Außenseiterin

Sebastian Loam: Die Sportkanone

Miranda Pencroft: Die Klassenschönheit

Ralph Turk: Der Kriminelle

Jun Am Li: Die Streberin

Gilbert Egan: Der Trottel

Na, wer von Euch wird bei dieser Art der Aufzählung auch sofort an einen Filmklassiker erinnert? „Don’t you, forget about me…“ Ja, richtig, Breakfast Club. Eine clevere Zusammenstellung der Protagonisten. Dazu eine einsame Insel. Klingt wie ein Selbstläufer? Ja. War es auch. Aber anders als erwartet.

Breakfast Club meets Herr der Fliegen – oder auch nicht… Dieses Buch ist kein Abklatsch irgendeines schon mal dagewesenen Stoffes. Klar, der Autor spielt damit. Nennt selbst diese Filme und Bücher – nur um die Erwartungen in Kombi mit aktuellen TV-Formaten und moderner Wissenschaft wieder in eine andere Richtung zu lenken.

Lincoln ist der geliebte Sohn zweier Akademiker, die nun einen Forschungsauftrag in Oxford bekommen haben und daher mit ihrem 13 jährigen Sohn von Amerika nach England ziehen. Bisher wurde Link zuhause von seinen Eltern unterrichtet, nun soll er eine Eliteschule besuchen. Doch anstatt dort die unendlichen Weiten akademischen Wissens zu erforschen findet sich Lincoln in einer Welt wieder, in der Sport ALLES ist. Schüler, Lehrer – alle sind extrem fixiert auf körperliche Fitness und den Sieg. Da kann ein schmächtiger Nerd nicht mithalten. Schnell wird er zum Fußabtreter aller…

3 Jahre dauert Lincolns Märtyrium an – bis die „Streiche“ zu weit gehen. Er beschließt, von der Schule abzugehen und somit den Grausamkeiten dieser Schule zu entfliehen. Seine Eltern stellen nur eine Bedingung: Zuerst muss er ins Sommercamp mit seiner Klasse, danach darf er frei entscheiden. Klingt machbar – was sind schon 2 Wochen nach 3 Jahren Leiden?

Egal, wie schlimm es werden würde, ich hatte hundert Romane auf dem Reader gespeichert, mir konnte also gar nichts passieren.

Oh my sweet summer child… Kurz nach dem Start des Fliegers ins Camp hat Link einen Blackout und erwacht gestrandet auf einer einsamen Insel. Nach kurzer Euphorie endlich seine Peiniger los zu haben kommt die Ernüchterung – sie leben noch. Alle. Und keine Rettung in Sicht…

Mehr über die Handlung zu verraten wäre schwierig ohne zu spoilern. Die Jugendlichen, die nicht unterschiedlicher sein könnten müssen auf der Insel überleben und eine eigene Gesellschaftsform finden. Dabei kommt nicht immer das Beste im Einzelnen hervor…

Ich kann nicht sagen, dass ich nicht zumindest Teile habe kommen sehen – die Komplexität und Vielschichtigkeit des Plots hat mich aber trotzdem überrascht.

Niemand ist eine Insel für sich allein…

John Donne

Mobbing spielt eine ganz große Rolle in SIEBEN. Mich haben eigen Aspekte tief berührt – so zum Beispiel die Szene als Link erklärt, warum er seinen Eltern nicht von den Grausamkeiten an der neuen Schule erzählt… Er will diese Leute nicht in sein Zuhause lassen – auch nicht gedanklich. Seine Familie ist sein heiliger Hafen.

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive von Link erzählt. Sehr erfrischend, nebenbei bemerkt. Zuerst dachte ich, mag den Jungen wirklich. Nerds sind mir ja recht nah. Ich mag vieles, was er auch mag. Doch dann war ich mir nicht mehr sicher – konnte sein Verhalten nicht mehr gut heißen. Er hat zwiespältige Gefühle in mir hervor gerufen – und das war pures Kalkül der Autorin…

Leute, die gemobbt werden, müssen nicht zwangsläufig nett sein, nur weil sie Opfer sind.

Der rote Faden, der sich durchs Buch zieht ist die Island Disc Radio Show – die Lieblingsradiosendung von Link und seinen Eltern. Dort wird jede Woche ein Prominenter gefragt, welche 8 Songs er auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Nun, da die Jugendlichen tatsächlich auf einer einsamen Insel gestrandet sind sagt ihre Songauswahl fast mehr über sie aus, als man auf den ersten Blick meinen mag…

Fazit – kein Herr der Fliegen Abklatsch oder nur irgendeine weitere Robinsonade – eine moderne coming of Age Gesellschaftsstudie gekonnt gepaart mit nervenaufreibenden ThrillerElementen, die Euch absolut überraschen wird!

Ok. Über die allerletzten Seiten liesse sich streiten. Wegen mir hätte man diese auch weglassen können – aber sie haben gut getan…

Bewertung: 5 von 5.

Was wäre DEIN Soundtrack für eine einsame Insel???

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Arena
  • ET: 27. Mai 2020
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Bea Reiter
  • Preis: 16 €
  • ISBN: 978-3401604954
  • Vom Verlag empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Klappentext:  Wer willst du sein? Opfer oder Täter? Nach jahrelangem, heftigem Mobbing an der Schule hofft Link, dass sie alle tot sind. Dass sie umgekommen sind bei dem Flugzeugabsturz, den er wie durch ein Wunder überlebt hat. Aber sein Hochgefühl währt nur kurz. Denn Links Mitschüler sind alle noch da – sie sind mit ihm auf einer tropischen Insel gestrandet und mehr als bereit, ihn weiter zu erniedrigen. Ziemlich schnell jedoch ist klar: Hier in der Wildnis steht die Schulhierarchie auf dem Kopf. Das Recht des körperlich Stärkeren ist außer Kraft gesetzt und einzig Link als Nerd verfügt über das Wissen zum Überleben. *** Sie haben dich gedemütigt, bis du am Boden lagst. Was würdest du tun, wenn endlich DU am Drücker wärst? Wie schlimm wäre deine Rache? Jetzt machst DU die Regeln. Jetzt wird das Opfer zum Täter. Provokant und schillernd böse: Dieser Thriller der Extraklasse ist bis zur letzten Seite ein packender Kampf ums Überleben! Für alle Thriller- und Krimi-Leser ab 14.

Das Buch wurde mir auf eigenen Wunsch hin vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Das hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Weitere Meinungen dazu von meinen BloggerkollegInnen:

noch keine gesichtet…

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Ein Kommentar zu „Was für ein Buch… SIEBEN – Spiel ohne Regeln von M. A. Bennett (Rezension)

  1. Liebe Verena,

    na holla, das Buch muss ja der Bruner sein. Wandert deswegen mal auf die Wunschliste. Du bist wahrlich überzeugend und für Breakfast Ckub hab ich eh ne Schwäche und wenn es nur minimal vorkommt.

    Danke dir für die Empfehlung. Das Buch ist definitiv auf Bookstagramm untergegangen.

    Liebe Grüße
    Tina

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