Nightrunner – Vergiss, wer du warst von Lukas Hainer (Rezension)

Der neue Streich von Lukas Hainer fällt auf. Das Auge zieht einen regelrecht in seinen Bann – und auch wenn ich sonst kein Freund von Gesichtern auf einem Cover bin muss ich zugeben, dass ich hier sofort fasziniert war.

Der Titel und der Klappentext machen Lust auf mehr. Das dystopische Bild einer rauen Welt wird gezeichnet, in der Jugendliche ums Überleben kämpfen…

Leider sind Titel und Klappentext irreführend. Denn einige Jugendliche, die hier die Hauptrolle spielen sind zwar so genannte Nightrunner – aber das ist eigentlich irrelevant für die Story und kommt auch nur kurz vor. Nicht falsch verstehen – das ist überhaupt nicht schlimm – den was man drumherum bekommt wiegt diese Kritik vollkommen auf… nur Schade isses halt. Ich mag es nicht auf die falsche Fährte gelockt zu werden. Das könnte viele Leser enttäuschen und im Gegenzug könnten viele Leser die auf düstere Fantasy mit nem Hauch Steampunk und Religionskriege stehen um ein cooles Lesevergnügnen bringen, weil sie gar nicht erst zum Buch greifen.

Um einfach mal meine Kritikpunkte vorab abzuhaken – das Setting und die Namen ist sehr osteuropäisch angehaucht. Das ist absolut nicht meins… ich versuche ja die Namen immer so zu lesen wie sie gedacht sind – hier hab ich mir regelmäßig die Zunge dabei verknotet. Aber das sind persönliche Präferenzen… nun zum Wesentlichen – dem Buch!

Die Geschichte wird aus ganz verschiedenen Perspektiven geschildert – federführend dabei sind Evelyn und Leonow die an ganz unterschiedlichen Orten aufwachsen. Im ersten Teil des Buches erfahren wir, wie deren Kindheit verlaufen ist. Spoiler: richtig kacke!

Evelyn ist todkrank – doch statt ihrer stirbt ihr geliebter Vater. Von da an läuft es noch schlimmer für das kleine Mädchen und gipfelt in einer Massenhysterie bei einer Kundgebung bei der man eigentlich denkt, das war’s jetzt für das Kind.

Vielleicht hatte der große Mann gar keine Armee mitbringen müssen. Vielleicht hatte sie hier auf ihn gewartet.

S. 74

Leonow hat nicht viel mehr Glück. Er denkt, er wächst als Waise in grauslichen Verhältnissen auf – doch als er erkennt, dass er gar keine Waise ist, kommt die sprichwörtliche Traufe nach dem Regen in ein Szenario dass ganz stark an Krabat erinnert, nur dass es hier keine Mühle, sondern eine Goldschmiede ist. Macht es aber nicht weniger gefährlich…

Die Welt, in der Nightrunner spielt, ist unserer gar nicht so unähnlich. Weniger modern und dafür durchdrungen von alten Religionen in denen Götter und Engel überlebt haben. Aber das sind keine niedlichen Putten, sondern echt miese Gesellen… Wie schon erwähnt, dystopische Fantasy mit ner Prise Steampunk – sehr interessant. gerne hätte ich noch viel viel mehr von dieser düsteren Welt und den Machenschaften drumherum erfahren, doch das hätte vermutlichen den Rahmen des Einzelbandes gesprengt. Leider, denn manchmal bin ich in diesen Kriegs-Irrungen und Wirrungen schon etwas verloren gewesen.

Im zweiten Teil des Buches treffen Evelyn und Leonow aufeinander. Zusammen mit weiteren Weggefährten versuchen sie hinter ihr eigenes Geheimnis zu kommen und dabei noch die Welt zu retten. Ob es ihnen gelingt?

Die Atmosphäre ist eine ganz ganz Besondere… ich kann das schwer in Worte fassen. Das was passiert ist echt teilweise schrecklich – aber auch magisch. Und Nebenfiguren wie Leonows Hermelin Minka, die ihm zur Seite steht hellen das ganze wieder auf. Auch die Tatsache, dass es in der feindseligsten Umgebung Freundschaft und Güte gibt, lässt hoffen.

Ein weiteres herausragendes Merkmal des Buches ist die Spannung. Trotz der osteuropäischen Namen und Orte war ich sofort in den Bann der Geschichte gezogen worden. Und immer, wenn ich die Richtung erahnte in die der Autor mich führen will – hat er mich wieder überrascht! Schon richtig gut!

Nightrunner ist keine leichte Kost – aber das ist es nie bei Lukas Hainer. Schon bei seiner Dilogie Das dunkle Herz / Das weisse Herz hat er eine ganz neue alte Welt erschaffen und uns mit unseren ureigeigensten Ängsten konfrontiert und dabei was ganz Großes erschaffen. Hier spielt er mit einem Szenario „Was wäre wenn?“ – was wäre wenn unsere Religion geringfügig anders verlaufen wäre? Was wäre wenn wir fähig wären Magie nutzbar zu machen? Was wäre wenn… ?

Eine klare Lese-Empfehlung. In der richtigen Stimmung gelesen hat das Buch das Zeug zum Lieblingsbuch…

  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: ivi / PIPER
  • ET: 16. März 2020
  • Sprache: Deutsch
  • Preis: 15 €
  • ISBN-13: 978-3492704748
  • Vom Verlag empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Klappentext: Evelyn und Leonow leben in einer Welt voller Kämpfe: Arm gegen Reich, der richtige gegen den falschen Glauben. Evelyn selbst ringt wegen einer angeborenen Schwäche im Krankenhaus mit dem Tod und kann es erst wieder verlassen, als ihre Heimat in Schutt und Asche liegt. Es ist die Stunde Null und Evelyn und Leonow werden zu Nightrunnern – Schatzjägern auf der Suche nach geheimen Wunderwaffen und verschütteten Artefakten. Während die Menschen versuchen, die neue Welt anzunehmen und die alte zu vergessen, birgt Evelyn selbst ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das sie mit Leonow verbindet, und das der Schlüssel zur Herrschaft über die gesamte Nachkriegswelt ist. Nicht nur irdische Mächte haben es deshalb auf sie abgesehen.

Das Buch wurde mir auf eigenen Wunsch hin vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Das hat meine Meinung nicht beeinflusst.

Weitere Meinungen dazu von meinen BloggerkollegInnen:

Letterheart

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2 Kommentare zu „Nightrunner – Vergiss, wer du warst von Lukas Hainer (Rezension)

  1. Liebe Verena,

    ich mag das Cover sehr, auch wenn es mich an den Mortal Engines – Film erinnert, so wie viele andere auch.
    der Inhalt klingt super. Die Storyline und Hitnergründe versprechen einen Spannungsfaktor.
    Ich denke, die osteuropäischen namen könnte ich hinnehmen, wenn ich nicht so viel darüber nachdenke. *lach

    Liebe Grüße
    Tina

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