Das Horror-Hogwarts für Intriganten: Killing November von Adriana Mather (Rezension)

Ein Geheimbund von skrupellosen Intriganten. Familienfehden bei denen sogar die Montagues und die Capulets den Kopf einigezogen hätten. Dazu eine Schule, von der nichtmal die Schüler oder deren Eltern wissen, wo sie liegt und deren Unterrichtsfächer meist tödlicher Natur sind.

Das klingt für Euch schon furchteinflößend? Dann stellt Euch vor, ihr geratet da ohne Vorwarnung mitten rein ohne eine Ahnung zu haben, was das alles zu bedeuten hat.

Ich verliere ja selten ein Wort zum Cover – aber das hier gefällt mir nun wirklich nicht! Zum Glück ist der Titel und der Klappentext so verlockend gewesen, dass ich auf das Buch aufmerksam wurde. Ich verstehe nicht, warum einige Verlage so standhaft an einem Gesicht auf den Cover festhalten. Das tötet bei mir die Neugierde und schreckt mich meist sogar ganz ab. Der untere Teil des Titelbildes mit dem Symbol und dem Titel mit Blut geschrieben hätte mich sofort angesprochen!

Doch zum Glück heisst es ja: „Don’t judge a book by its cover!“ und der Inhalt ist nun wirklich bis auf wenige Kritikpunkte richtig gut gelungen:

Mein Name ist November Adley und ich wurde im August geboren.

So beginnt die Geschichte der 17jährigen November. Ich bin ein Fan von ersten Sätzen – und dieser hier ist genial!

November wächst in einem kleinen Kaff mitten im Grünen bei ihrem Vater auf. Alles scheint ganz normal, bis auf die Vorliebe ihres Vaters November das Messerwerfen und Klettern beizubringen… bis eines Tages alles ganz schnell geht und ihr Vater sie schnell in Sicherheit bringen muss. Zunächst denkt November noch, dass sie nur wenige Wochen auf dem geheimnisvollen Eltie-Internat bleiben muss. Seltsamerweise wird an der Academia Absconditi jedoch weniger wert auf Kultur gelegt, als auf Giftkunde, Strategische Kriegsführung, Klettern und Schwertkampf. Schnell dämmert November, dass dieses Netz aus Intrigen und seltsamen Todesfällen von nun an ihr Leben sein wird. Falls sie überlebt…

Die Protagonistin November war mir stellenweise zu naiv. Sie wird im Buch eigentlich als Genie mit scharfem Verstand beschrieben und außerordentlichen Fähigkeiten die sie theoretisch allen Mitschülern überlegen sein lassen müsste . Doch gerade in der ersten Hälfte des Buches hätte ich sie soooo oft schütteln können. Sie stellt irgendwie nie die richtigen Fragen und handelt oft unlogisch. Das ändert sich in der zweiten Hälfte etwas, trotzdem scheinen ihr mehr Zufälle und unverschämtes Glück in die Hände zu spielen als ihr angeblich so scharfer Verstand. Davon abgesehen mag ich ihren Humor und ihre Schlagfertigkeit sehr.

Ashai – der Zwillingsbruder von Novembers Zimmergenossin Layla – hingegen ist mein absoluter Favorit. Brilliant, Charmant und ein wenig eitel – der hätte mir auch sofort gefallen. Außerdem durchlebt er meiner Meinung nach die größte persönliche Entwicklung und ist von allen Charakteren am vielschichtigsten gezeichnet.

Der Hintergrund dieses Buches besteht aus dem Konstrukt von Familien von Beratern und Ränkeschmiedern. Ich musste sofort an Varys von Game of Thrones denken. Verständlich dass dieses Organisation im Hintergrund – genannt Strategia – viel mächtiger war und noch immer ist, als die Herrschenden selbst. Die Idee, aufbauend auf historisch belegten Tatsachen und wilden Spekulationen gefällt mir fanatastisch.

Allerdings halte ich es für sehr unwahrscheinlich dass diese Elitekids mit 15 schon genug über Geistes- und Naturwissenschaften, Kultur und noch vielem mehr gelernt haben sollten, um hier an dieser Academia Absconditi (verborgenen Akademie) nur noch die „besonderen“ Fächer wie Messerwerfen, Giftkunde, Klettern, Schwertkampf und Psychologische Kriegsführung zu belegen. Das Widerspricht meiner Vorstellung einer umfassenden Bildung. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ohne die Grundlagen einer humanistischen Bildung solch feinsinnige Geister wie beschrieben dabei raus kommen und sich diese so raffiniert unter die High Society mischen können. Das ist ein Denkfehler, den ich weniger verzeihe. Man hätte die Akademie lieber als College für ältere Schüler aufziehen sollen und wenigsten ein paar andere Fächer dazunehmen sollen um glaubwürdig zu sein. Das hätten ja durchaus auch außergewöhnliche Fächer sein können, aber nicht alle sollten so archaisch sein.

Das Ende ist für den Moment zufriedenstellend, jedoch nicht für einen Einzelband. Alles deutet auf Einzelband hin, kein Hinweis auf einen zweiten Teil im Buch oder auf der Webseite. Kein Wort davon, dass es eine Dilogie ist – durch Zufall habe ich das (zum Glück vor dem Lesen) online in einem Webshop entdeckt. In der Originalsprache gibt es bereits einen zweiten Teil. Wenn man den Kommentaren glauben kann, dann ist dieser auch der finale Band:

Fazit: Grandiose Idee, gut umgesetzt aber stellenweise nicht zu Ende gedacht. Wenn man allerdings seine Kritikpunkte nicht allzu sehr weiterverfolgt, dann wird man ausgezeichnet von Killing November unterhalten. Wärs ein Film, dann fantastische Popcorn Kino – gibt es eigentliche ein begriffliches Pendant in der Buchwelt?

Bewertung: 4 von 5.
  • Herausgeber Verlagsgruppe Oetinger Service GmbH /Dressler Verlag
  • ET: 9. Januar 2021
  • Sprache: : Deutsch
  • Hardcover : 432 Seiten
  • Preis : 22 €
  • ISBN-13 : 978-3791501529
  • Lesealter : ab 14 Jahre
  • Klappentext : Achtung, Sogwirkung! Hochspannung bis zur letzten Seite. November hat keine Ahnung, warum ihr Vater sie ohne Vorwarnung auf die geheimnisvolle Academy Absconditi schickt, ein Internat, regiert vom Geheimbund Strategia. Hier gilt die Regel: Informationen über die eigene Familie dürfen unter keinen Umständen preisgegeben werden. Keine Nachnamen, keine Anschrift und keine Details über Familienmitglieder. Als ein Mitschüler ermordet wird, fällt der Verdacht auf November. Bevor sie für schuldig erklärt oder sogar selbst zum Mordopfer wird, muss sie herausfinden, welche Rolle sie selbst in den bizarren Strategiespielen des Ordens spielt.

Ein ganz großes Dankeschön geht an den Verlag, der es mir ermöglichte, auf meinen Wunsch hin dieses wunderbare Buch zu lesen! Dass mich das nicht beeinflusst hat, ist eh klar…

(Es handelt sich um ein kostenfreies Rezensionsexemplar ohne Verpflichtung und ich erhalte keine Vergütung für die Veröffentlichung meiner Rezension)

Weitere Meinungen dazu von meinen BloggerkollegInnen:

noch keine gesichtet…

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2 Kommentare zu „Das Horror-Hogwarts für Intriganten: Killing November von Adriana Mather (Rezension)

  1. Hallöchen Verena,

    man soll nicht nach dem Cover gehen, ja, ich weiß, aber trotzdem ist es hier etwas Neues und Auffälliges und Insta war schon gut gefühlt davon.
    Der Klappentext klang gut, aber die Anziehungskraft hat für mich nicht gereicht.
    Deine Kritikpunkte sind nachvollziehbar, selbst ohne es gelesen zu haben.
    Ich bin gespannt, ob es im Deutschen einen 2. Band geben wird.

    Liebe Grüße
    Tina

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