IMPERATOR von Kai Meyer und Lisanne Surborg (Rezension)

Ich gebe zu, ich war verwirrt. Das lag aber zu großen Teilen an mir selbst.

Ich liebe die Bücher von Kai Meyer und bin zudem großer Fan des Autors selbst. Schon oft durfte ich ihn in Leipzig live erleben und mich auch länger mit ihm unterhalten. Doch bislang hatte ich nur seine zahlreichen Fantasy Romane begeistert gelesen. IMPERATOR ist jedoch ganz anders…

Allein die „Swinging Sixties“ waren für mich ungewohnt. Das ist keine Zeit, die ich selbst erlebt habe und ich brauchte tatsächlich einige Seiten, bis sich ein Bild vor meinem inneren Auge formen konnte von dauerrauchenden Italienern in komischer Kleidung. Aber dank der Autoren habe ich mich von da an gut zurecht gefunden.

In zwei zunächst unabhängigen Handlungssträngen wird zum Einen die Geschichte der Studentin Anna Savarese erzählt, die nach dem Tod ihrer Mutter in deren Heimat Rom reist um dort Licht in die dunkle Familiengeschichte zu bringen. Zum Anderen begleiten wir den zwielichtigen Privatdetektiv Gennaro Palladino bei der Aufklärung eines scheußlichen Ritualmordes.

Die zwei Handlungsstränge bauen natürlich Spannung auf. Mich haben sie jedoch auch zusätzlich verwirrt. Nicht nur, das die Protagonisten so grundverschieden sind – mir scheint auch der Schreibstil jeweils ein anderer. Da würde mich interessieren, ob das Autoren-Duo sich hier die Arbeit geteilt hat. Von Lisanne Surborg habe ich bisher noch nichts gelesen, könnte mir aber vorstellen, dass sich so die die unterschiedlichen Dynamiken im Text erklären ließen.

Kurz bevor sich die Handlung in Richtung Mafia-Schmonzette entwickeln kann, wird buchstäblich ein Kaninchen aus dem Hut gezogen! Da war ich völlig verloren.

Nicht falsch verstehen, ich mag es, überrascht zu werden!

Ich habe nach meiner Verwirrung in den ersten Kapiteln dann mal Dr. Google befragt und mich ein wenig über die geschichtlichen Hintergründe schlau gemacht. das war schon ein heißes Pflaster damals in Rom. Der Weltkrieg steckte noch in den Knochen und Mussolini in den Köpfen vieler Bürger. Das sorgt für Unruhen im Volk und bringt solch Aktivisten wie „Spartaco“ zum Vorschein.

Vor diesem explosiven politischen Setting überraschen dann okkulte Gruppierungen und Ausflüge in die Phantastik. Achja, und die zahlreichen blutigen Morde sollte man auch nicht unter den Teppich kehren…

Also: IMPERATOR hat mich definitiv überrascht. Und auch verwirrt – eine Einordnung in ein Genre fällt mir schwer: Krimi, Thriller, Mystery oder Fantasy? Auf jeden Fall ist es kein Buch, was man mal eben so nebenbei liest. Und man sollte nicht außer Acht lassen, das es sich um eine Reihe handelt – wer also auf vollständige Auflösung aller Rätsel am Ende des Buches hofft, der wird enttäuscht. Wer sich aber auf dieses spannende Leseabenteuer ohne vorherige Erwartungen einlässt und sich voll und ganz darin verlieren kann, der wird mit einem außergewöhnlichen Buch aus der Feder des Meisters der Phantastik Kai Meyer belohnt!

Bewertung: 4 von 5.
  • Herausgeber ‏ : ‎ Knaur
  • ET: 3. Mai 2021
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3426527170
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426527177
  • Preis: 14,99 €
  • Klappentext ‏ : ‎ Rom in den Swinging Sixties – eine Stadt der Filmstars und Verbrecher, der Starlets und Geisterbeschwörer, des alten Adels und der korrupten Politik. Die Studentin Anna schließt sich einer Gruppe Paparazzi an, um inkognito den Mörder ihrer Mutter zu jagen. Zugleich soll der Privatdetektiv Gennaro Palladino den Tod eines wahnsinnigen Malers aufklären. Die Suche nach der Wahrheit führt Anna zusammen mit dem jungen Fotografen Spartaco durch Paläste und verlassene Villen, durch Filmstudios und verruchte Jazzclubs – und immer wieder auf die legendäre Via Veneto, den Brennpunkt des Dolce Vita. Während die High Society im Champagner badet und Regierungsgegner die Revolution planen, ziehen finstere Mächte die Fäden. Sie wollen die Auferstehung des antiken Rom – koste es, was es wolle.

Ein ganz großes Dankeschön geht an den Verlag, der es mir ermöglichte, auf meinen Wunsch hin dieses wunderbare Buch zu lesen! Dass mich das nicht beeinflusst hat, ist eh klar…

(Es handelt sich um ein kostenfreies Rezensionsexemplar ohne Verpflichtung und ich erhalte keine Vergütung für die Veröffentlichung meiner Rezension)

Weitere Meinungen dazu von meinen BloggerkollegInnen:

noch keine gesichtet…

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Ein Kommentar zu „IMPERATOR von Kai Meyer und Lisanne Surborg (Rezension)

  1. Tatsächlich gehöre ich zu den wenigen, die bisher wenig von Kai Mayer gelesen habe. Lisanne Surborg jedoch viel mir in den Sozialen Medien sehr positiv auf, so dass ich unbedingt sehen musste wie sie schreibt. Zum Glück! Sonst wäre mir etwas großartiges entgangen.

    Die Autorin hat den perfekten Spagat zwischen der Hörspielvorlage und der eigenen Interpretation geschafft. Wortgewaltig, spannend und mit diesem gewissen Etwas, dass einen durch die Seiten fliegen lässt.
    Absolute Empfehlung. Ich wünsche mir viele weitere Bücher dieser tollen Autorin.

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