Ein Fest für Verschwörungstheoretiker – trotzdem feiere ich dieses Buch: Der Zwillingscode von Margit Ruile (Rezension)

Vincent ist ein 17jähriger Junge in München. Vincent darf nicht zur Schule. Dieser Umstand würde wohl so manchen Jugendlichen freuen. Aber Vincent darf so vieles nicht. Denn es ist 2058 und er ist ein Mensch Kategorie CC. Nicht systemrelevant. Nicht systemkompatibel.

Kennt ihr diese eine Folge von Black Mirror, wo Menschen andauernd andere Menschen in ihrem Ranking hoch und runter klicken? Genau so könnt ihr Euch das hier vorstellen. Nur dass es in diesem Buch nicht die Menschen untereinander sind, die für das soziale Ranking verantwortlich sind, sondern die „Simulation“ – vergleichbar mit dem heutigen Internet, nur selbstständig denkend und handelnd. Und ein Computerprogramm muss eben alles in Kategorien einteilen. Doch wie passen unsere Welt und ihre Lebewesen in dieses strikte System? Gar nicht…

Vincent will eigentlich nur seinen Sozialstatus irgendwie erhöhen um der Enteignung seines baufälligen Elternhauses zu entgehen. Bei seinen Bemühungen stösst er schnell auf die mysteriösen Umstände unter denen seine Mutter damals ums Leben kam. Sie war doch nur eine einfache Programmiererin. Oder etwa doch nicht?

Eine verwirrende, rasante und lebensgefährliche Suche beginnt die weit über unsere bekannte Realität hinaus geht.

Der Weltenbau mit den Kategorien und Sozialpunkten ist einfach und leicht verständlich aber erschreckend genug, da es vor einer vertrauten Kulisse im München einer nicht allzu fernen Zukunft spielt.

Die Story ist sehr kompakt auch wenn die Thematik des alles kontrollierenden virtuellen Systems sehr komplex ist. Man merkt, dass die Autorin zunächst beim Film tätig war und Drehbücher lektoriert hat. Der Zwillingscode könnte so auch glatt schon als Drehbuch für einen coolen Blockbuster durchgehen.

Es wird immer noch etwas geben, das sie nicht begreifen kann. Unsere Träume, unsere Erinnerungen, unsere Unberechenbarkeit. Das, was uns zu Menschen macht, wird sie nie verstehen. Und das ist unsere einzige Chance.

Wer hat nicht schon von Verschwörungstheorien rund um die totale Überwachung gehört? Systeme wie Deep learning sind real. Künstliche Intelligenz nicht mehr unrealistisch. Das kann man nun optimistisch oder kritisch sehen. Ich persönlich freue mich eher, wenn mir das Internet z.B. Bücher oder Songs basierend auf meinen Interessen vorschlägt. Andere versetzt sowas schon in höchste Alarmbereitschaft. Ich halte auch nichts von den aktuellen abstrusen Theorien von Corona-Leugnern und benutze auch weiterhin Whatsapp & Co. Aber Fakt ist, dass ein alles kontrollierender Algoritmus keine Zukunftsmusik mehr ist. Wer soziale Medien nutzt, weiß wovon ich spreche ;-)

Ein Fest für Verschwörungstheoretiker – trotzdem oder vielleicht gerade deshalb feiere ich dieses Buch. Dieses „was wäre wenn es doch wahr wäre“ ist ein prickelnder Nervenkitzel. Der Zwillingscode von Margit Ruile ist bis zum Ende beängstigend und hoffnungsvoll zugleich – wie das wahre Leben eben so ist.

Bewertung: 5 von 5.
  • Herausgeber : Loewe Verlag GmbH
  • ET: 13. Januar 2021
  • Sprache: : Deutsch
  • Broschiert : 320 Seiten
  • Preis : 14,95 €
  • ISBN-13 : 978-3743203242
  • Lesealter : ab 14 Jahre
  • Klappentext: Was passiert, wenn die Dinge, die wir erschaffen, uns gar nicht mehr brauchen? Vincent ist siebzehn und eine Doppel-C-Seele. Sein Sozialpunktestand ist so niedrig, dass an ein Studium nicht zu denken ist. Stattdessen repariert er heimlich die mechanischen Haustiere der Firma Copypet. Eines Tages bringt eine alte Frau eine Katze zur Reparatur. Und die führt Vincent geradewegs in die Simulation – eine virtuelle Welt, in der alle unsere Gegenstände ihr digitales Leben führen. Verborgen in dieser Zwillingswelt aber liegt ein Code. Vincent muss ihn finden, denn davon hängt die Zukunft der Menschheit ab.

Ein ganz großes Dankeschön geht an den Loewe Verlag , der es mir ermöglichte, dieses süße Buch schon vorab zu lesen!

Weitere Meinungen dazu von meinen wunderbaren BloggerkollegInnen:

Bücherherz

Nicole Plath

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6 Kommentare zu „Ein Fest für Verschwörungstheoretiker – trotzdem feiere ich dieses Buch: Der Zwillingscode von Margit Ruile (Rezension)

  1. Hallöchen Verena,

    ich hatte von der Autorin „Gods kitchen“ gelesen und das Thema Ki war bemerkenswert umgesetzt. ich denke, ihre Bücher geben einfach Stoff nachzudenken, sein Verhalten im Umgang mit der Technik zu reflektieren und einen Wink des Möglichen zu geben.

    Liebe Grüße
    Tina

    1. Ich hsbe zu Gods Kitchen keinen rechten Zugang gefunden, fand es schlussendlich gut, aber nicht packend. Hier ganz anders!

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