Ein Buch das mich zunächst sprachlos zurück ließ: Die schwarze Zauberin von Laurie Frost

Mein erster Gedanke war: „Das war’s jetzt echt? Die haben die Kurve echt nicht mehr gekriegt? Und davon soll es noch einen zweiten Teil geben???“

Selten habe ich in einem Buch eine so hohe Dichte an Fremdenhass, falschen Frauenbildern und Homophobie gesehen wie hier… Das muss ja per se nichts Schlechtes sein. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Sowas zu thematisieren und nicht totzuschweigen finde ich ja prinzipiell gut – nicht so in Die schwarze Zauberin!

Doch zurück zum Anfang … dem wunderbaren Moment als ich das Buch sah… Ein so wunderschönes Cover habe ich selten gesehen! Keine Gesichter: Yay! Der Titel und der Vogel sind wie bei einem Scherenschnitt aus dem schwarzen Schutzumschlag hervorgehoben und mit einem glitzernden Hintergrund unterlegt, der für mich wie ein Sonnenaufgang aussieht. Total schön!

Elloren – ist 17 – auch wenn ich das aufgrund ihrer Naivität gar nicht glauben mag. Sie ist eine Nachfahrin der schwarzen Zauberin. Aber die Gene haben es wohl nicht nicht so gut mit ihr gemeint und sie zeigt keinerlei Anzeichen in die Fußstapfen ihrer Ahnin zu treten. Statt dessen geht sie auf die magische Universität um Apothekerin zu werden. Dumm nur, dass sie dort mit ihren schlimmsten Alpträumen konfrontiert wird – sie muss die Schule und sogar ihr Zimmer mit Wesen teilen, denen sie sonst gerne aus dem Weg geht: Elben, Lykaner und Icarale … und damit nicht genug, bald kommt es noch viel schlimmer …

Aber glaubst du nicht, dass ein einzelner Mensch ganz anders sein kann als alles, was du über sein Volk gehört hast?

Ihr ahnt es schon – hier kommen bereits erwähnte Themen wie Rassismus und Homophobie ins Spiel. Aber dass Elloren so denkt ist ja gar nicht so schlimm (sie könnte ja eines Besseren belehrt werden) – Nein – ihre unglaubliche NAIVITÄT ist es, die mich während des Lesens fluchen ließ. Ich mochte Elloren schon zu Beginn nicht. Schütteln wollte ich sie und sie zur Vernunft bringen. Oder ihr Hausarrest geben für ihre Respektlosigkeiten! Selbst als Elloren im Laufe des Buches eine Wandlung durchlebt tut sie dies mit der ihr ganz eigenen Naivität, so dass man ihr das dann irgendwie auch nicht mehr abkauft. Puh!

Ich hatte schon Stimmen zu dem Buch in den sozialen Medien gelesen, auch wenn ich Rezensionen zum Buch zunächst vermieden habe … viele waren sehr kritisch und hatten bereits den Umgang mit Andersartigkeit und Homosexualität angeprangert. Ich dachte mir, das ist wahrscheinlich nur wieder Panikmache und wird sicher nicht so schlimm sein – DOCH, DAS WAR ES! … viele sagten durchhalten lohnt sich, das wird noch … NEIN! ES WURDE NICHT NOCH! Im Nachhinein trauere ich echt den verlorenen Lesestunden hinterher… hätte ich nur mal vorher den Beitrag von Jil gelesen: [BOOKTALK] Wie mich „Die schwarze Zauberin“ in den Wahnsinn trieb …so habe ich aber wenigstens hinterher herzlich gelacht und mich gefreut, dass ich nicht alleine bin!

Der Plot an sich tritt bei so vielen Aufregern leider total in den Hintergrund. Eigentlich ist er gut, die beschriebene fantastische Welt wirklich schön und hätte mit den passenden coolen (intelligenten) Protagonisten und ein paar eingebauten Twists echt super sein können.

Das Ende bleibt recht offen, weil es ja der Auftakt zu einer Reihe ist. Ich werde der Fortsetzung jedoch sicher keine Chance geben und freue mich statt dessen auf die Rezensionen meiner liebsten BuchblogerInnen…

Das Buch wird für Leser ab 12 Jahren empfohlen – Never Ever würde ich Die schwarze Zauberin meiner 13-Jährigen Tochter zu lesen geben! Die Handlung wäre ihr viel zu geradlinig und die Protagonisten würden sie wahrscheinlich genau so aufregen wie mich. Andere junge Leser würden das vielleicht nicht so reflektieren – daher rate ich dringend davon ab es Lesern zu geben, die nicht erkennen können wie falsch und gleichzeitig naiv die Denkweise von Elloren ist – und dass es nicht normal ist, dass Jungs so mit einem umgehen wie dieser Idiot Lucas mit Elloren! Ich lege viel Wert darauf, dass meine Kinder zu Menschen heran wachsen,  nicht engstirnig denken, die offen sind und sich ihres Wertes als Frau durchaus bewusst sind.

Ich vergebe dennoch 2 von 5 Lieblingslesesesseln – einen fürs Cover – das gefällt mir nach wie vor und einen für die echt nette Grundidee.

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  • Gebundene Ausgabe: 592 Seiten
  • Verlag: HarperCollins
  • Erscheinungsdatum: 5. März 2018
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzerin: Freya Gehrke
  • Preis: 18 €
  • ISBN: 978-3959671699
  • auch als Ebook erhältlich
  • Vom Verlag empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
  • Klappentext: Die 17-jährige Gardenierin Elloren ist die Enkelin der schwarzen Zauberin, der letzten großen Hexe ihres Volkes. Obwohl sie ihr sehr ähnlich sieht, spürt sie keine magischen Kräfte in sich. Ein Traum wird wahr, als sie dennoch auf die berühmte magische Universität gehen und das Handwerk der Apothekerin erlernen darf. Doch dort lernen auch Elben, gestaltwandelnde Lykaner und geflügelte Icarale – die Erzfeinde der Gardenier. Und als das Böse aufzieht, bleibt Elloren keine andere Wahl, als ausgerechnet denjenigen zu vertrauen, die sie für die schlimmsten Verräter gehalten hat.

Danke an den Verlag Harper Collins für das Erfüllen meines Buchwunsches – ich dachte wirklich ich würde es lieben!

Weitere Meinungen dazu von meinen wunderbaren BloggerkollegInnen:

Letterheart

the book & the owl

Buchversum

Bookslove 26

Lovin‘ Books

Du hast das Buch auch gelesen und rezensiert? Dann hinterlasse mir doch gerne den Link in den Kommentaren, dann füge ich Dich hier noch mit ein!

27 thoughts

  1. Hey,

    echt schwierig das Buch zu bewerten. Einerseits hatte es tolle Ansätze, aber einige Dinge gefielen mir leider überhaupt nicht … Ich find es toll, dass du deine Rezension so ehrlich und professionell verfasst hast. Mal sehen wie meine Beurteilung ausfallen wird.

    Lg
    Steffi

  2. Liebe Verena,
    na herrlich. iich habe dieses Buch vor 1 Woche gekauft, weil es einfach ein wunderschönes Cover hat und super spannend klingt! Und jetzt lese ich schon die 2. negative Stimme und eh. Das macht mich echt fertig, weil ich mich wirklich auf das Buch gefreut habe und bald damit anfangen wollte. Ich bin nun wirklich hin und her gerissen. Oh man.
    Danke für die Rezension.

    xoxo Vera

  3. Hach Verena,

    Auch ich musste herzlich lachen! Nicht nur bei deinem Beitrag, sondern auch bei deinem Kommentar unter meinem ;)
    Manchmal kommt man einfach so gar nicht an die Geschichte ran…
    Ich finde es klasse, dass du deinen Leseeindruck so ehrlich wiedergegeben hast!

    Liebste Grüße ❤ Jill

  4. Liebe Verena,
    vielen lieben Dank für deine ehrliche Rezension. Da werde ich ganz sicher die Finger von diesem Buch lassen, ich mag mich beim Lesen gerne entspannen und das hört sich eher nach einem großen Aufreger an!
    Dankeschön und liebe Grüße, Ina

  5. Vielen lieben Dank für Deine ehrliche Meinung zu dem Buch.
    Ich hätte es mir wahrlich sicherlich gekauft, da der Titel und die Story genau meins sind.
    Aber ich werde nun zu Deiner angesprochenen Alternative umschwenken und diese vorziehen.
    Danke Dir nochmals für deinen Beitrag mit ehrlichen Tipps und ehrlicher Meinung.
    Liebste sonnige Grüße
    Caroline

  6. Hallo Verena,

    danke für die ehrliche Rezension.
    Ich hatte von dem Buch auch schon gehört und die Onlinedebatte dazu im englischsprachigen Raum ein bisschen verfolgt. Allerdings klang das Buch auch ohne diese Aspekte nicht so, als ob es mir gefallen würde.
    „Das muss ja per se nichts Schlechtes sein. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Sowas zu thematisieren und nicht totzuschweigen finde ich ja prinzipiell gut “
    Ja, genau ich finde es auch gut, wenn Autoren solche Themen ansprechen. Nur weil in einen Buch Sexismus gezeigt wird, muss das Buch nicht sexistisch sein. Ein Buch kann ja Sexismus aufzeigen um ihn zu verurteilen und die Leser darüber zum nachdenken anzuregen. Ein gutes Beispiel dafür ist „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood. Das Buch spielt in der sexistischsten Welt, die ich je in einen Buch gelesen habe. Dennoch ist es ein feministisches Buch, weil es mit dem Thema Sexismus gut umgeht und zeigt welche Auswirkungen er haben kann. Allerdings ist „Der Report der Magd“ im Gegensatz zu „die Schwarze Zauberin“ aus der Opfer und nicht der Täterperspektive geschrieben, was viel stärker deutlich macht, was für Auswirkungen eine solche Gesellschaft auf die Unterdrückten hat.
    Ich kann „die schwarze Zauberin“ nicht beurteilen, aber ich habe basierend auf einigen Rezensionen das Gefühl, dass das Problem an dem Roman die Protagonistin ist. Es fällt einem als Leser einfach schwer mit so einem Menschen zu sympathisieren, vor allem wenn die Entwicklung so lange auf sich warten lässt.

    LG
    Elisa

  7. Liebe Verena

    Herzlichen dank für Deine ehrliche Meinung!

    Anfangs dachte ich echt, dass das Buch was für meinen Sohn wäre, aber nach Deinem Bericht….!?

    Habe alles sehr gerne gelesen!

    Hab einen schönen Abend!

    xoxo
    Jacqueline

  8. und ich dachte erstmal: ohh bitte nicht spoilern! denn das Buch steht tatsächlich auf meiner Leseliste für den Juni …
    da muss ich zugeben, dass ich wieder zum „Cover- und Klappentext-Opfer“ geworden bin! 😉
    durch ein Buch will ich mich aber nicht quälen! das klingt wirklich gar nicht gut! hast du eine schöne Alternativ-Empfehlung, also was thematisch in die Richtung geht, aber nicht enttäuscht hat?
    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

    1. Ich hab extra darauf geachtet nicht zuviel vom Inhalt zu verraten aber trotzdem meine deutliche Meinung kundzutun….

      Und ja, tatsächlich habe ich eine tolle Alternative dazu: Teenie Vodoo Queen. Meine Rezension dazu erscheint übermorgen. Genaues Gegenteil: Cover und Titel haben mich eher abgeschreckt – der Inhalt war jedoch Spitzenklasse!

      1. ohhh ich danke dir für diesen Extra-Tipp :)
        hab ich mir auch direkt notiert und bin gespannt wie ich es finden werde … man soll ja nicht immer nach dem Äußeren urteilen ;)

        ❤ Tina

  9. Beruhigend deine Meinung zu lesen. Denn ich wollte dieses Buch unbedingt – wegen dem wahnsinnig tollem Cover! Es klang auch vielversprechend und ich habe hin und her überlegt (monatliches Budget aufteilen usw). Dann „investiere“ ich lieber in ein anderes schönes Buch ;) LG Anne

  10. Schade, dass Du Dich durch 592 Seiten quälen musstest, um das festzustellen. aber, Du hast Recht, das Cover hätte mich auf jeden Fall auch angesprochen.
    Schönen Sonntag Verena :-)
    Claudia

    1. Wie gesagt, ein wenig mit Vorurteilen belastet war ich ja durch die Diskussionen in den sozialen Medien. Aber das Buch hat viele gute Stimmen bekommen und viele sagten dass sich durchhalten lohnt! Um mir ein abschließendes Urteil erlauben zu können hab ich kopfschüttelnd weiter gelesen. Der Stil ist auch nicht allzu schwer und es liest sich leicht, wenn man sich nicht immer aufregen müsste. Vielleicht bin ich bei solchen Themen auch empfindlicher als Andere denn auch wenn ich nicht persönlich betroffen lege ich großen Wert darauf, dass meine Kinder zu toleranten und selbstbewussten Frauen heran wachsen die nicht so engstirnig denken oder ihren Wert nicht kennen.

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