Tempus fugit – und Wenige können das beeinflussen: Bernsteinstaub von Mechthild Gläser (Rezension)

Im Loewe Verlag erscheinen gerade richtig tolle Bücher! Montag habe ich bereits von Club der roten Bänder meets Stranger Things: „Thalamus“ von Ursula Poznanski berichtet. Davor habe ich die Tage im Freibad genutzt, um Bernsteinstaub von Mechthild Gläser zu beenden. Das war ganz anders als Thalamus – aber genauso genial!

Das Cover ist schon ein kleines Kunstwerk für sich. Je nach Lichteinfall wechselt es die Farbe von dunklem bordeaux zu lila. Man hat dabei das Gefühl, mitten im glitzernden Strom der Zeit zu stecken.

Eigentlich hätte ich meine Rezension zu Elian und Lira kopieren können- nur für den Jugendbuchbereich. In Bernsteinstaub findet sich natürlich kein Blut und es handelt von einer völlig anderen Thematik – aber mein Fazit ist dasselbe:

Ein perfekt in sich geschlossener Einzelband.

Perfekter Weltenaufbau.

Wunderbar erzählt.

Und nicht eine sich anbahnende Liebe steht im Vordergrund, sondern der Mut, das Richtige zu tun ungeachtet des eigenen Schicksals!

Ophelia Pendulette wohnt in Berlin und versucht ein ganz normaler Teenager zu sein. Gar nicht so einfach, weil jeder mit ihr den schrecklichen Unfall vor einigen Jahren verbindet, bei dem ihr Vater vor ihren Augen starb. Seit dem versucht sie ihr Leben so gut es eben geht im Griff zu haben. Ihre Schwester ist ausgezogen und ihre Mutter vollauf mit ihrem neuen Mann und dem gemeinsamen kleine Sohn beschäftigt. So fällt auch Niemandem auf, dass Ophelia zunehmend Zeitlücken hat – und wem soll sie schon von dem glitzernden Staub erzählen, den sie neuerdings sieht?

Als der Staub sogar schuld an einer Verletzung Ophelias ist, kann sie ihre Halluzinationen nicht mehr vor ihrer Mutter verheimlichen. Doch diese reagiert anders als erwartet und hält Ophelia nicht für komplett plemplem, sondern informiert umgehend Verwandte ihres Vaters in Paris. Diese nehmen Ophelia sofort mit und eröffnen ihr eine Welt, von der sie nie zu träumen gewagt hatte …

Ophelia gehört offenbar zu den wenigen Menschen, die in der Lage sind Zeit als Staub zu sehen und diesen zu beeinflussen – die Zeitlosen. Dabei lernt sie nicht nur ihre überaus junge UrUrGroßmutter im Punk-Outfit kennen, sondern auch den düsteren Leander

Doch viel Zeit bleibt ihr nicht, sich an die neue Situation gewöhnen, denn der Herr der Zeit geht in Rente und sucht einen Nachfolger…

Die Parallele zum allseits bekannten Trimagischen Turnier ist nicht von der Hand zu weisen. Aber die Thematik der Beeinflussung der Zeit und deren Verkörperung als Staub um uns herum – sichtbar nur für Auserwählte, die sich Zeitlose nennen ist neu! Die Schauplätze wechseln rasant, aber gerade das mochte ich an der Geschichte. Nie war es langweilig und zudem gab es noch eine kleine Weltreise obendrein.

Eine ganz zarte, leichte, begleitende Liebesgeschichte gibt es auch. Diese ist zwar wichtig, steht aber null im Vordergrund und wird sehr einfühlsam erzählt.

Seine Hand lag inzwischen neben meiner auf dem Steuerrad und unsere kleinen Finger erkundeten einander. Vorsichtig, Tastend.

Überhaupt liegt die Stärke von Mechthild Gläser in der Authentizität der Charaktere. Kein einziges mal habe ich mich gewundert, warum sie so reagieren – egal ob sympathische Figuren oder Bösewichte. Überhaupt – das klassische Schwarz/Weiß-Denken ist hier außer Kraft gesetzt. Wie im echten Leben auch, gibt es nicht nur Gut und Böse…

Ein wunderbares Buch! Bedenkenlos ab 10 oder 12 Jahren lesbar, aber dabei so spannend wie ein Abenteuer-Roman für Erwachsene. Ich vergebe volle 5 von 5 Lieblingslesesessel für Bernsteinstaub!

8778

  • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
  • Verlag: Loewe
  • Erscheinungsdatum: 24. Juli 2018
  • Sprache: Deutsch
  • Preis: 19,95 €
  • ISBN: 978-3785588604
  • auch als Ebook erhältlich
  • Vom Verlag empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
  • Klappentext: Warum kommt es uns manchmal so vor, als ob die Zeit unterschiedlich schnell vergeht?
    Ophelia hat sich darüber nie wirklich Gedanken gemacht, bis sie eines Tages beginnt, die Zeit zu sehen. Denn Ophelia ist eine Zeitlose und besitzt die seltene Gabe, die Zeitströme zu beeinflussen. Doch kaum hat sie von diesen Fähigkeiten erfahren, spielt die Zeit plötzlich überall auf der Welt verrückt. Gemeinsam mit dem mysteriösen Leander muss Ophelia die Ursache für das Zeitchaos finden. Dabei kommen sie einem Geheimnis auf die Spur, das die gesamte Welt der Zeitlosen auf den Kopf stellen wird.

Ein ganz großes Dankeschön geht an den Loewe Verlag, der es mir ermöglichte, dieses wunderbare Buch schon vorab zu lesen!

Weitere Meinungen dazu von meinen BloggerkollegInnen:

noch keine gesichtet…

Du hast das Buch auch gelesen und rezensiert? Dann hinterlasse mir doch gerne den Link in den Kommentaren, dann füge ich Dich hier noch mit ein!

4 thoughts

  1. Hi Verena,

    die Beschreibung von dem Cover ist ja toll, es hat also einen Fabverlauf. So etwas gefällt mir als Coverkäufer immer.

    Ich habe gerade kurzzeitig an die Edelstein-Trilogie gedacht. Das Thema Zeit, ein gutaussehender unnahbare Typ und eine Protagonistin, die von ihrer Fähigkeit bis dato nichts wusste.

    Trotzdem scheinen die Highlights in den Details zu stecken, von daher wandert das Buch auf meine Wunschliste.

    Liebe Grüße
    Tina

    1. Hallo Tina!

      Mit der Edelstein Trilogie hat es keine Ähnllichkeit – vielleicht echt nur gaaaaaanz grob am Anfang . Ich mochte diese übrigens total gern und fand die Filme dazu unterirdisch schlecht….

      Bersteinstaub ist echt toll.

      Hab einen schönen Sonntag!

  2. Bernsteinstaub klingt ja schon so schön und interessant :)
    finde es auch immer schön, wenn EInzelbände einen guten Abschluss finden, aber dennoch Raum zum Träumen lassen! auch die Parallele zu HP klingt spannend und könnte als alter Jugend-Fan für mich genau das Richtige sein :)

    genieß dein Wochenende meine Liebe und liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

    1. Ja, vor allem dass der Trend anscheinend wieder mehr zum Einzelband geht finde ich toll. Ich hasse es zu warten! Ich bin dann immer ganz glücklich, wenn ich Testleserin bei meinen Lieblingsautorinnen bin – dann kann ich meist gleich weiter mit lesen – muss halt dann nur zwischen den einzelnen Kapiteln warten…

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