Bergsalz von Karin Kalisa (Rezension)

Ich habe geweint, gelacht, genickt und den Kopf geschüttelt… ein unfassbar einfühlsames und leises Buch mit einer Message, die Laut in die Welt gerufen werden sollte!

An kleine Mengen konnte Franzi sich nicht gewöhnen. So klein wie für eine Person konnte man nicht denken und konnte man nicht kochen.

Gleich zu Beginn musste ich schmunzeln. Ich kann das auch nicht, für einen allein kochen. Das geht nicht. Es müssen alle satt werden. Und alle, das sind mein Familie plus eventuelle Gäste, die sich ja immer irgendwie einfinden können (in normalen Zeiten). Und es muss was über bleiben – sonst könnte man ja denken, ich hätte nicht genug gemacht. (Resteessen ist daran eh das Beste!)

Doch gleich darauf vergeht mir das Schmunzeln. Denn Franzi muss nun für sich alleine kochen. Und sie muss für sich alleine denken. Die Kinder sind längst aus dem Haus, ihr Mann verstorben. Natürlich kennt sie die Leute in ihrem kleinen Dorf alle gut. Aber nicht so gut, dass man die zu sich einlädt. Das macht man nicht in Franzis Welt.

Umso erstaunter ist Franzi, als es ausgerechnet zur Mittagszeit an ihrer Tür klingelt. Wer macht denn sowas? Schnell erkennt sie, dass Ihre Nachbarin sich nicht wirklich einen Tasse Mehl borgen will (Wieso auch, es hat ja wohl Jeder einen anständigen Vorrat im Keller) sondern einfach nur einsam ist. Wie sie selbst.

‚Cause all that you have is your soul.

Tracy Chapman

Aus einen spontanen gemeinsamen Mittagessen entsteht so was wie ein Mittagessen-Club. Die einsamen Seelen des Ortes finden zueinander und kochen und essen gemeinsam. die Suche nach einer größeren Location für das Miteinander bringt aber nicht nur mehr Platz – sondern auch ein ganz neues, grenzübergreifendes Verständnis füreinander. Denn im alten Gasthaus sind nun Flüchtlingsfamilien untergebracht…

Sprachlich ist Bergsalz eine Offenbarung! Ein unglaublich intelligenter Stil der jeden Satz noch lange in der Seele nachhallen lässt. Ich war bereits von Sternstunde vor zwei Jahren hin und weg:

Lange habe ich überlegt, wie ich das Buch einordnen soll. Die Geschichte wird aus vielen Perspektiven erzählt und immer wieder finden sich Einschübe aus einer längst vergangenen Zeit (die ich nicht mochte, aber später doch irgendwie Sinn ergaben). Auch waren mir einige Charaktere unsympathisch und die Geschichte nicht rund, geschweige denn abgeschlossen… Normalerweise ein absolutes KO-Kriterium für mich. Warum hier nicht? Warum hallt das Buch nur positiv in mir nach obwohl ein Stimmchen in mir immer wieder die Kritikpunkte anbringt?

Weil das Leben eben so ist. Unvollkommen. Unlogisch. Manchmal lustig. Nie abgeschlossen. Aber immer bewegend.

Ein bewegendes Buch, wie ich eingangs sagte: Ich habe geweint, gelacht, genickt und den Kopf geschüttelt… ein unfassbar einfühlsames und leises Buch mit einer Message, die Laut in die Welt gerufen werden sollte!

Wie viele Menschen in Eurer Nachbarschaft sind einsam oder ihren Wurzeln entrissen? Gerade in Pandemie-Zeiten ist ein verständnisvolles und hilfsbereites Miteinander so wichtig! Zuhören. Zwischen den Zeilen hören. Ein Mittagessen-Club ist gerade vielleicht nicht durchführbar, aber ich glaube es gibt so viele Wege den Menschen in unserem Umfeld auch jetzt zu zeigen: Du bist nicht allein!

  • Gebundene Ausgabe : 208 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3426282083
  • Preis : 20 €
  • Herausgeber : Droemer HC
  • ET; 2. November 2020
  • Klappentext: Ein Roman voller Weltwissen und Tatkraft: Bestseller-Autorin Karin Kalisa erzählt von einer Graswurzelbewegung ganz eigener Art. Dass man so klein wie „füreineallein“ eigentlich gar nicht denken und nicht kochen kann, ist von jeher Franziska Heberles Überzeugung. Trotzdem kommt das mittägliche Klingeln an ihrer Haustür unerwartet, ungebeten und ungelegen: Eine Nachbarin. Dann noch eine. Es reicht – und reicht noch nicht. Denn auf einmal fühlt sich das Ungelegene absolut richtig und vor allem steigerungsfähig an: Doch wie kann das überhaupt gehen? Ein Mittagstisch für viele – hier, im ländlichen weiten Voralpenland, wo Einzelhof und Alleinlage seit Generationen tief in die Gemüter sickern? Und es nicht jedem passt, wenn sich etwas ändert. Es braucht Frauen aus drei Generationen: Franzi, Esma und Sabina. Nicht jede ‚von hier‘, aber aus ähnlichem Holz. Es braucht Ben, der wenig sagt, aber wenn, dann in mancherlei Sprachen; es braucht Fidel Endres, einen Vorfahr, der etwas Entscheidendes hinterlassen hat – und einen halbleeren Kübel Alpensalz in einer stillgelegten Wirtshausküche, der zeigt: Dem Leben Würze geben, ist keine Frage der Zeit.

Ein ganz großes Dankeschön geht an den Droemer Knaur Verlag, der es mir ermöglichte, dieses wunderbare Buch zu lesen! Dass mich das nicht beeinflusst hat, ist eh klar…

Weitere Meinungen dazu von meinen BloggerkollegInnen:

noch keine gesichtet…

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