AnnE with an „E“

Seit kurzem kann man bei Netflix die CBC Serie Anne with an „E“ sehen, die auf dem Roman Anne of Green Gables von Lucy Maud Montgomery aus dem Jahr 1908 basiert.  

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Ich habe als Kind die Bücher um die rothaarige Waise Anne Shirley verschlungen. Heute würde man sagen Anne ist einen Dramaqueen – damals war sie einfach nur perfekt für mich! So wunderbar intelligent und phantasievoll – und obwohl oft zu Tode betrübt, im nächsten Moment wieder herrlich optimistisch.

Ich habe mich also wie ein Kind gefreut, als ich von der Neuverfilmung meiner Lieblingsbücher erfuhr. Und ich wurde nicht enttäuscht!

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Anne Shirley ist eine Waise, die versehentlich zu dem älteren Geschwisterpaar Matthew und Marilla Cuthbert geschickt wird, um dort zu leben. Die beiden hatten eigentlich einen Jungen aus dem Waisenhaus angefordert um Hilfe auf dem Hof zu bekommen. Anne soll sofort wieder zurück – aber irgendwie schafft sie es sich in das Herz der Cuthberts zu plappern und bleibt auf Green Gables.

Amybeth McNulty spielt die Anne einfach göttlich! Es gab ja früher schon eine Serie um Anne of Green Gables – da mochte ich die Hauptdarstellerin nicht so gern, sie war mir zu hübsch und zu arrogant. Amybeth hingegen ist genau das drahtige rothaarige Waisenkind aus meiner Vorstellung! Sie hadert selbst mit ihren roten Haaren und ihrer Figur- aber wehe Jemand anders kritisiert sie – dann wird sie zur Furie. Sie stellt sich gerne vor, sie wäre eine Prinzessin aus einen fernen Land – aber gleichzeitig ist sie ungewöhnlich besonnen wenn es die Situation erfordert. Sie liebt mit ganzem Herzen – genau so wie sie hasst …

„Führe ein Leben ohne Bedauern!“ Josephine Berrry

Nach der ersten Folge wird die Geschichte nicht mehr getreu den Büchern erzählt. Das missfällt verständlicherweise einigen Fans. Ich muss sagen, dass mich das nicht stört, denn die Neuinterpretation des Stoffes ist meiner Meinung nach wunderbar gelungen. Ein tolles Plädoyer an die Gleichberechtigung der Frau und an die Phantasie!

In Flashbacks, die Annes Zeit vor Green Gables zeigen wird auf teilweise sehr brutale Weise thematisiert wie Waisen und Frauen in dieser Zeit behandelt wurden. Doch gerade wegen dieser düsteren Szenen strahlt Annes Optimismus und Lebenswille um so heller. Den Cliffhanger am Ende der letzten Folge nehme ich den Autoren allerdings krumm.

„Ich schätze jede neue Idee war mal modern, bis sie es nicht mehr war.“ Matthew Cuthbert

Hervorzuheben ist auch der Gebrauch der Sprache. Anne ist gebildet, zeigt, dass Lesen etwas Wunderbares ist! Ein einfaches „Vater unser“ wird zur schönsten Poesie aus Annes Mund. Ich würde mir wünschen, dass der Wert der schönen Sprache auch in unserer Zeit wieder mehr geschätzt würde.

„Wer Großes zu sagen hat, braucht auch große Worte.“ Anne Shirley Cuthbert

Auch bin ich froh, dass diese Serie mich mal wieder aufmerksam darauf gemacht hat, wie wenig Raum für Phantasie unsere Kinder heute noch haben. Immer mehr Termine, Hobbies, Hausaufgaben und Erwartungen der Erwachsenen ersticken das Kind sein. Das Leben ist durchgetaktet, Platz für Langeweile aus der wunderbare Ideen erst entstehen können fehlt völlig.

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Wir alle sollten viel mehr Anne sein – melodramatisch, intelligent, phantasievoll und das Leben in jeder seiner Facetten genießend!

„Ich werde die Heldin meiner eigenen Geschichte!“ Anne Shirley Cuthbert

 

 

20 thoughts

  1. ohje, da ist an mir, als nicht Netflix-Guckerin, wieder mal was vorbegegangen :/
    dabei mochte ich Anne of green gables als Kind auch sooo gerne! aber die Serie kannte ich bisher nicht und wünschte es gäbe sie auch außerhalb von Netflix – muss mal recherchieren ;)

    wie wundervolle ist bitte die Protagonistin?! und auch den Titel finde ich sehr cool und modern gewählt!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com

  2. Und wieder lerne ich welche Welt mir doch ohne Netflix verborgen bleibt. Aber ich bin mir sicher, wenn ich irgendwann mal durch den riesen Berg Bücher durch bin, wird es auch als Buch nicht bei mir landen. Klingt eher nicht nach meiner Lektüre. Aber das muss es ja auch nicht :)

    Grüße
    Nemi

  3. Ich kenne die Serie erstaunlicher Weise leider gar nicht. Aber sie klingt total schön und ich denke, ich schau da auch mal vorbei. Vielen Dank für diesen Vorschlag.
    Viele Grüße
    Juli

  4. Werde mir die Serie wohl mal ansehen wenn ich zugriff auf Netflix habe, aber von dem was ich darüber lese bin ich skeptisch inwiefern der Serien-Autorin der Geist von Montgomerys Geschichte noch wichtig wahr – allerdings liebe ich die alte Verfilmung (also, die mittlere, nicht die ganz alte).

  5. Wie du schreibst merkt man sofort, dass du ein kleiner Fan bist :) Ich finde es geht das bei Neuinterpretationen auch mal etwas von den Büchern abgewichen wird und ist es gut geschrieben spricht meiner Meinung nach auch nichts dagegen :)

  6. Ich liebe die Bücher!!! Wie toll, dass es sie jetzt Neuverfilmt gibt. Leider habe ich kein Netflix. Vor ein paar Wochen habe ich beim „durchzappen“ die alte Fassung auf BibelTV entdeckt. Ich habe mir die ganze Folge angesehen und mich in meine Kindheit zurück versetzt gefühlt. Das war eine der Buchreihen, die ich verschlungen habe bis zum letzten Band.
    Liebe Grüße
    Regina von http://www.reloves.de

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